Ego-Shooter verursachen Amokläufe!

Ob diese Überschrift sensationsheischend ist?

Im Laufe der vergangenen Woche flammte selbstverständlich die Diskussion um Killerspiele wieder auf, veranlasst durch den Amoklauf in Winnenden. Arno Frank hat sich für die tageszeitung zum Thema zu Wort gemeldet und schlägt vor:

Wie wäre es, statt der „Computerspiele“ mal populistische Studien zu verbieten? Oder deren Lektüre erst „ab 18″ zu erlauben?

Er mokiert sich außerdem – zu Recht – über die Berichterstattung des Spiegels und stellt sich die rhetorische Frage, ob solch eine Aufmersamkeit nicht auch ein entscheidener Anreiz zum Amoklaufen sein könnte.

An einigen Stellen übertreibt Arno Frank auch, zum Beispiel bei der Verharmlosung von World of Warcraft:

Wenn man „World Of Warcraft“ etwas vorwerfen kann, dann höchstens, dass es die Jugendlichen auf spielerische Weise mit den Grundgesetzen des Kapitalismus vertraut macht. Als „Charakter“ begegnet der Spieler anderen Figuren, mit denen er kommunizieren, handeln oder auch kämpfen kann, wobei es allerdings wesentlich zahmer zugeht als beim Massengemetzel in Filmen wie „Herr der Ringe“.

Natürlich ist es nicht die Hauptintention von WoW, die Spieler mit dem Kapitalismus vertraut zu machen, und das Spiel ist selbstverständlich darauf ausgelegt, ein gewisses Suchtpotential zu entwickeln, um die Spieler bei der Stange zu halten.

Aber die Schlussfolgerung, die der Autor letztendlich zieht, gefällt mir ganz gut:

In der offiziellen Ankündigung dieser wichtigen Sendung ["Expertenrunde" auf Phoenix] ist allen Ernstes von „ ,Ego-Shootern’ wie ,World Of Warcraft’ “ die Rede. Schon klar. Diskutieren die Experten demnächst auch über „Pornofilme wie ,Bambi’ “?

Daraus spricht mehr als nur Dummheit oder Desinteresse. Hier verbirgt sich das eigentliche Problem: eine totale und selbstgefällige und unerschütterliche Ignoranz gegenüber jugendlichen Lebenswelten. Das kann wirklich aggressiv machen, aggressiver noch als sechs Stunden „Counter Strike“ am Stück.

Etwas überspitzt formuliert, aber sicher nicht ganz falsch und außer Acht zu lassen.

[Der Artikel von Arno Frank auf taz.de]

~ von sputator am 21. März 2009.

Eine Antwort schreiben