Netzsperren!

Nach dem Vorstandsvorsitzenden des Bundesverbands Musikindustrie fordern auch Vertreter des Buchhandels und der hessischen Landesregierung eine Ausdehnung der Netzzensur.

Christian Sprang, Leiter der Rechtsabteilung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, plädierte für Access-Blockaden gegen Angebote, die das Urheberrecht verletzen. Er warf den Providern eine bewusste Zusammenarbeit mit rechtsverletzenden Angeboten vor, weil sie dort Werbung schalten könnten. Die Internetwirtschaft könne ihren guten Willen zeigen, indem sie auf Werbung auf Angeboten wie Rapidshare verzichteten, sagte Sprang.

Da der zivilrechtliche Auskunftsanspruch gegen Filesharing-Benutzer mittlerweile Wirkung zeige, verlagerten sich die Urheberrechtsverstöße auf One-Click-Hoster, erläuterte Sprang. Dieselben Anbieter, die Kinderpornografie verbreiten und mit Phishing arbeiten würden, betrieben auch Server mit urheberrechtswidrigen Inhalten. Diese “Internet-Mafia” finanziere sich unter anderem durch Werbung für Flatrate-Angebote der Provider und für pornografische Angebote. “Wenn man an solche Angebote herankommen will, die im Ausland sitzen, sehe ich keinen anderen Weg als Access-Sperren”, sagte Sprang. Die Kosten sollten an die Kunden der Provider weitergereicht werden.

[heise.de - Medienrechtsforum; Hervorhebungen stammen von mir.]

Bitte, was?! Dieselben Anbieter, die KiPo verbreiten, begehen auch Urheberrechtsverletzungen? Die Art, wie Sprang argumentiert, lässt vermuten, dass er auch bereit ist den Umkehrschluss zu ziehen: Wer illegal Musik anbietet, verbreitet auch Kinderpornos. Damit werden diese Verbrechen von ihm auf eine Stufe gestellt. Ich weiß nicht wie ihr das seht, aber für mich liegt noch ein erheblicher Unterschied zwischen Diebstahl und Kindesmissbrauch, für Christian Sprang aber offensichtlich nicht. Begun the Copyright-War has.

René Walter von Nerdcore geht außerdem „davon aus, dass die Rechteinhaber-Lobby den Druck auf die Politik in den nächsten Tagen und Wochen massiv erhöhen wird und dann auch unsere Frau Zypries, die zuletzt erst vor Begehrlichkeiten bezüglich der Netzzensur warnte, umkippen wird.„, eine Meinung, der ich mich anschließen kann. Wenn von mehreren Seiten laut darüber nachgedacht wird, kann man davon ausgehen dass es früher oder später durchgesetzt wird. Und wenn – wie in diesem Falle – bereits konkrete Forderungen zu hören sind, wird es eher früher als später sein.

~ von sputator am 25. April 2009.

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